icon / home icon / small arrow right / light News icon / small arrow right / light Was Sicherheit für Österreich bedeutet: Bürger:innen gestalten Strategie mit
15 Dez. 2025 von cgrill

Was Sicherheit für Österreich bedeutet: Bürger:innen gestalten Strategie mit

Das Dialogforum „Gemeinsam schaffen wir Sicherheit!“ hat im Rahmen der laufenden Neuausrichtung der österreichischen Sicherheitsstrategie erstmals die Bevölkerung systematisch in sicherheitspolitische Fragen eingebunden. Christiane Grill vom LBG OIS Center hat das Projekt methodisch beraten.

Am Donnerstag, 11. Dezember 2025, präsentierte Außenministerin Beate Meinl-Reisinger gemeinsam mit Generalmajor Thomas Starlinger den Abschlussbericht des neu geschaffenen Formats. Ziel des Dialogforums war es, Bürger:innen aktiv in die Überarbeitung der österreichischen Sicherheitsstrategie einzubeziehen.

Breite Beteiligung an sicherheitspolitischer Debatte

Die österreichische Bundesregierung hatte bereits im Frühjahr beschlossen, eine breit angelegte sicherheitspolitische Diskussion zu initiieren, die bewusst auch die Bevölkerung einbezieht. Begleitet wurde der Prozess von der Universität Wien und der LBG. Rund 100 Personen, die einen repräsentativen Querschnitt der österreichischen Bevölkerung abbilden sollten, nahmen an insgesamt drei Dialogrunden teil.

Zentrale Themen: Polarisierung, Desinformation und gesellschaftliche Resilienz

In Innsbruck, Klagenfurt und Salzburg wurden Bedrohungsszenarien, Österreichs Rolle in der europäischen Sicherheitsarchitektur sowie mögliche Handlungsoptionen diskutiert. Der Bericht hält fest, dass insbesondere der Krieg in der Ukraine die Wahrnehmung externer Bedrohungen stark geprägt habe.

Als große Herausforderungen nannten die Teilnehmenden außerdem:

  • gesellschaftliche Spannungen und Gewalt im öffentlichen Raum
  • Migration, die kontrovers diskutiert wurde
  • Desinformation, Fake News und Cyberkriminalität
  • Teuerung und Versorgungssicherheit
  • Klimawandel als wachsendes Risiko

Besonders deutlich wurde laut Außenministerin Meinl-Reisinger, dass Sicherheit von vielen sehr umfassend verstanden werde: Bildung wurde mehrfach als Schlüsselfaktor für Stabilität und Zusammenhalt genannt.

Neutralität als Identität, EU-Zusammenarbeit als Voraussetzung

Ein überwiegender Teil der Teilnehmenden bezeichnete die Neutralität als identitätsstiftend, schrieb ihr jedoch keine eindeutige Schutzfunktion zu. Gleichzeitig wurde die Zusammenarbeit mit der EU als grundlegende Voraussetzung für die Sicherheit Österreichs gesehen. Viele sprachen sich dafür aus, dass Österreich sich verstärkt über Diplomatie und Konfliktprävention in EU, UNO und OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) engagieren solle.

Blaupause für zukünftige Beteiligungsprozesse

Die Ergebnisse des Dialogforums sollen nun in die laufende Überarbeitung der Sicherheitsstrategie einfließen und in den politischen Diskussionsprozess aufgenommen werden. Die neue Sicherheitsstrategie soll bis zum ersten Quartal 2026 fertiggestellt und dem Parlament vorgelegt werden.

Der Abschlussbericht betont, dass globale Umbrüche, Klimakrise, gesellschaftliche Spaltung und technologische Entwicklungen neue Perspektiven auf Sicherheit erforderlich machen. Das Dialogforum liefere damit nicht nur eine wertvolle Grundlage für politische Entscheidungen, sondern auch eine mögliche Blaupause für künftige Beteiligungsprozesse.

Weitere Informationen zum Dialogforum „Gemeinsam schaffen wir Sicherheit!“
a. Rund 100 Österreicher:innen diskutierten zur Österreichischen Sicherheitsstrategie © BMEIA/Gruber