Warum Innovation ein zweischneidiges Schwert ist
Bei den Kaiserschild Lectures diskutierte Georg Russegger, Leiter des LBG OIS Centers, warum Innovation mehr sein muss als technologische Neuerung, und weshalb echte Wirkung nur durch gemeinschaftliches Handeln entstehen kann.
Alle wollen Innovation, doch oft steht gerade die bestehende Infrastruktur radikalen Neuerungen im Weg. Diese zentrale These stand im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion am Mittwochabend im Rahmen der Kaiserschild Lectures, veranstaltet vom Postgraduate Center der Universität Wien und der Kaiserschild-Stiftung.
Unter dem Titel „Dynamiken des Neuen: Was ist Innovation und wer treibt sie an?“ diskutierten Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis, welche Kräfte Innovation wirklich ermöglichen, und welche sie verhindern.
Innovation als Spannungsfeld zwischen Markt und Wirkung
Georg Russegger, Leiter des LBG OIS Centers, betonte dabei, dass Innovation nicht losgelöst vom Markt gedacht werden könne. Gleichzeitig warnte er vor fragwürdigen Motiven in der aktuellen Innovationskultur.
„Viele junge Menschen, die in den Innovationsbereich einsteigen, haben das Mindset, dass sie schnell reich werden und schnell wieder aussteigen wollen“, erklärte Russegger. Diese stark Start-up-getriebene Marktwirtschaftlichkeit könne zwar bestehen, stehe aber häufig nicht im Dienst eines nachhaltigen Innovationsbegriffs.
Für Russegger müsse Innovation vor allem eines leisten: Wirkung in der Welt entfalten.
Empowerment und Teilhabe als Grundlage
Angesichts globaler Krisen sei klar, dass das bestehende System nicht mehr funktioniere, so Russegger. Die entscheidende Frage sei daher, wie Gesellschaften darauf reagieren.
Seine Antwort: Innovation brauche eine neue Grundlage, geprägt von Empowerment, Teilhabe und gemeinschaftlichem Handeln.
„Nur mit so einer Grundlage kann meiner Ansicht nach mit einem wie auch immer gearteten Innovationsbegriff fruchtbar gearbeitet werden“, resümierte er.
Innovation ist mehr als Technologie
Auch andere Diskutantinnen wie die Technikphilosophin Eugenia Stamboliev (Universität Wien) und Elisabeth Unterfrauner, wissenschaftliche Leiterin des Zentrums für Soziale Innovation, betonten, dass Innovation nicht automatisch Wohlstand oder Fortschritt bedeute. Demokratie, Arbeitsschutz oder soziale Sicherung seien ebenso bedeutende Innovationen wie technologische Entwicklungen.
Die Diskussion machte deutlich: Innovation ist kein Selbstzweck, sondern ein gesellschaftlicher Prozess, der Machtstrukturen, Werte und Beteiligung mitdenken muss.