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16 Sep. 2026 von kkraus

Vom Experiment zum Erlebnis: Die Impact Initiative bei der Ars Electronica 2026

Fünf Tage, drei Installationen, zwei Workshops – und viele unerwartete Begegnungen: Bei der Ars Electronica 2026 wurden die Projekte der Impact Initiative: Transforming Medicine Through AI and Arts erstmals einem breiten Publikum präsentiert. Was ein Jahr zuvor mit Ideen und Experimenten begonnen hatte, wurde am JKU MED Campus in Linz erlebbar.

Ein humanoider Roboter, der nicht nur mit überraschend wienerischem Akzent sprach, sondern gelegentlich auch eine Spur Wiener Grant an den Tag legte. Eine wachsende Karte, auf der persönliche Schmerzerfahrungen plötzlich Verbindungen zu anderen Menschen und zur Umwelt sichtbar machten. Menschen, die zeichneten, bastelten, meditierten – oder gemeinsam in die Rolle von Viren schlüpften.

Vom 9. bis 13. September brachte die Impact Initiative: Transforming Medicine Through AI and Arts unterschiedliche Projekte zur Ars Electronica. Fünf Tage lang konnten Besucher am JKU MED Campus erleben, was entstehen kann, wenn Wissenschaft, Kunst, Technologie und unterschiedliche Formen von Erfahrungswissen aufeinandertreffen.

Von ersten Ideen zu echten Begegnungen

Für die Impact Initiative war die Ars Electronica 2026 ein besonderer Meilenstein. Ein Jahr zuvor waren einige Projekte im Rahmen eines Hackathons entstanden. Teams aus Wissenschaft, Kunst und weiteren Disziplinen entwickelten gemeinsam Ideen und erste Experimente rund um die Frage, wie wir die Zukunft von Gesundheit und Medizin gestalten wollen.

2026 wurden aus diesen Ideen konkrete Erfahrungen. Die Projekte traten vor ihr Publikum – und das Publikum wurde selbst Teil davon.

Besonders deutlich wurde das bei Intimate Triage. In insgesamt 150 Sessions zu je acht Minuten kamen Besucher:innen mit einem humanoiden Roboter ins Gespräch. Keine Begegnung verlief dabei gleich. Mal reagierte der Roboter freundlich, mal weniger freundlich – und stellte mitunter überraschend persönliche Fragen.

Was passiert etwa, wenn ein Roboter nahelegt, man könnte eine Angststörung haben – obwohl man selbst das ganz anders sieht? Die Mischung aus Faszination und Vorsicht, mit der viele Besucher auf diese Begegnungen reagierten, machte abstrakte Fragen rund um KI in der Medizin plötzlich persönlich: Wem vertrauen wir? Welche Rolle wollen wir solchen Systemen geben? Und wie fühlt es sich eigentlich an, wenn Technologie nicht mehr nur Gegenstand einer Diskussion ist, sondern direkt mit uns interagiert?

Schmerz sichtbar machen

Bei P.A.I.N. – Personal And Interconnected with Nature entstand die Interaktion auf ganz andere Weise. Rund 450 Besucher:innen nutzten die Installation und speisten eigene Erfahrungen in die interaktive Pain Map ein.

Dabei wurde der eigene Schmerz nicht isoliert betrachtet. Die Visualisierung zeigte Verbindungen zu anderen Erfahrungen und machte sichtbar, wie körperlicher, emotionaler, gesellschaftlicher und ökologischer Schmerz miteinander in Beziehung stehen können.

Im dazugehörigen Workshop Pain: Interconnected with Nature wurde diese Auseinandersetzung noch körperlicher. Durch Meditation, Wahrnehmung und künstlerisches Gestalten näherten sich die Teilnehmer der Frage, wie ökologischer Verlust und planetarer Schmerz im eigenen Körper und Nervensystem spürbar werden können.

Erst die Erfahrung, dann die Frage

Einen wiederum völlig anderen Zugang bot der ausgebuchte Workshop The Virus Stories We Carry. Statt mit Wissensvermittlung zu beginnen, stand von Anfang an die Interaktion im Mittelpunkt: Die Teilnehmer:innen bekamen unterschiedliche Labormaterialien zur Verfügung gestellt, um Viren performativ zu verkörpern. So wurden die Besucher:innen vom Publikum zu aktiven Teilnehmer:innen – und begannen aus ihrer eigenen Erfahrung heraus Fragen zu stellen:

Sind Viren eigentlich Lebewesen? Wofür werden die Materialien verwendet, aus denen gerade eine Gesichtsmaske entsteht? Die Wissenschaftler:innen des Ludwig Boltzmann Institute for Science Outreach and Pandemic Preparedness (LBI SOAP) gaben darauf Antworten und wurden widerum selbst von der Kreativität der Teilnehmer:innen inspiriert. Nicht die Information stand zuerst im Raum, sondern das gemeinsame Tun.

Eine Geschichte, die bewusst unvollendet blieb

Auch DISTANCE: An Unfinished Graphic Novel machte die Besucher:innen zu Mitgestaltenden. Im Zentrum der Installation stand eine drei Meter hohe Illustration als Fenster in eine noch nicht abgeschlossene Graphic Novel über Distanz, Missverständnisse und Verbindung.

Rundherum lagen unvollständige Panels und kleine Skizzenblöcke bereit. Besucher:innen konnten zeichnen, schreiben und die Geschichte aus ihrer eigenen Perspektive fortsetzen. Beitrag für Beitrag entstand so eine kollektive Erzählung, in der unterschiedliche Perspektiven nebeneinander bestehen konnten. Die zahlreichen Zeichnungen und Geschichten, die in diesen fünf Tagen entstanden sind, dienen nun als Ausgangspunkt für eine Graphic Novel. Für DISTANCE war die Präsentation in Linz deshalb nicht das Ende, sondern der Beginn einer Geschichte, die noch weitergehen wird.

Wissenschaft nicht nur verstehen, sondern erleben

So unterschiedlich die Projekte und Reaktionen waren, verband sie eine gemeinsame Erfahrung: Kunst kann einen neuen Zugang zu wissenschaftlichen Fragen schaffen – nicht nur, indem sie diese sichtbar oder verständlich macht, sondern indem sie andere Formen der Auseinandersetzung ermöglicht.

Wer mit einem Roboter über die eigene Gesundheit spricht, beginnt anders über KI nachzudenken. Wer den eigenen Schmerz in eine gemeinsame Karte einträgt, begegnet Fragen von Verbundenheit nicht nur theoretisch. Wer Viren bastelt, verkörpert und spielerisch erforscht, nähert sich ihnen anders als über klassische Wissensvermittlung.

Was verändert sich, wenn wir Wissenschaft nicht nur kennenlernen, sondern erleben?

Die Ars Electronica bot dafür einen besonderen Rahmen. Über die ganze Stadt hinweg öffneten Installationen, Performances und Veranstaltungen Räume für neue Perspektiven auf Kunst, Technologie und Gesellschaft. Am JKU MED Campus traf diese Offenheit auf Fragen rund um Gesundheit und Medizin.

Für die Teams hinter den Projekten bedeutete das fünf intensive Tage des Austauschs. Sie präsentierten ihre Arbeiten, führten unzählige Gespräche, beobachteten Reaktionen und entwickelten ihre Projekte im Kontakt mit den Besucher ein Stück weiter.

Die Ars war ein Meilenstein – aber kein Abschluss

Wie geht es nun weiter? Für einige Projekte war die Ars Electronica 2026 der Anfang einer nächsten Phase.

Intimate Triage ist bereits Anfang Oktober wieder im Einsatz – diesmal bei der re:publica in Wien. Aus den zahlreichen Beiträgen zu DISTANCE wird die Geschichte weiterentwickelt. Und auch The Virus Stories We Carry hat bei seiner Premiere gezeigt, welches Potenzial entsteht, wenn künstlerische und wissenschaftliche Zugänge nicht nebeneinanderstehen, sondern gemeinsam etwas Neues ermöglichen.

Was nehmen wir also aus fünf Tagen Ars Electronica mit?

450 Interaktionen mit P.A.I.N., 150 Robotersessions, zwei ausgebuchte Workshops und eine große Sammlung an Zeichnungen und Geschichten erzählen einen Teil davon. Vor allem bleiben aber die Begegnungen, Gespräche und neuen Perspektiven – und die Erfahrung, was entstehen kann, wenn Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen mit Neugier, Offenheit und viel Engagement gemeinsam etwas Neues schaffen.