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23 Sep. 2026 von kkraus

Neue Perspektiven auf Demenz: Nachlese zum Welt-Alzheimertag

Wie können Kunst und Wissenschaft neue Perspektiven auf Demenz eröffnen – gemeinsam mit den Menschen, um die es geht? Anlässlich des Weltalzheimertages brachten das LBG OIS Center, das LBI für Grund- und Menschenrechte und die Universität für angewandte Kunst Wien unterschiedliche Perspektiven auf Demenz in der Wiener Postsparkasse zusammen.

„Ihr sollt nicht über uns sprechen, sondern mit uns!“ – mit diesem Zitat formulierte Antonia Croy (Alzheimer Austria) einen Leitgedanken für den Abend „Vom Erinnern und Vergessen“. Die anschließenden Präsentationen und Installationen zeigten, was entstehen kann, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse, künstlerische Praxis und die Erfahrungen von Menschen mit Demenz und ihrem Umfeld zusammenkommen.

Demenz aus der Unsichtbarkeit holen

Zunächst gab Antonia Croy Einblicke in die Arbeit der Selbsthilfeorganisation und machte deutlich, dass ein offener gesellschaftlicher Umgang mit Demenz nach wie vor keine Selbstverständlichkeit ist. Gerade im ländlichen Raum bleibe das Thema häufig „hinter verschlossenen Türen“. Umso wichtiger sei es, Menschen mit Demenz stärker einzubeziehen, ihre Erfahrungen ernst zu nehmen und gemeinsam mit ihnen Angebote und Lösungen zu entwickeln.

Auch Ruth Mateus-Berr von der Universität für angewandte Kunst Wien brachte die Perspektive der Kunst und ihrer Rolle in der Auseinandersetzung mit Demenz in den Abend ein.

Mit Ankerpunkte und DEMEDARTS wurden anschließend zwei konkrete Projekte vorgestellt, die Demenz stärker in die gesellschaftliche Auseinandersetzung holen und dabei unterschiedliche Wissens- und Erfahrungsperspektiven miteinander verbinden.

Ankerpunkte: Gemeinsam entwickeln, gemeinsam erproben

Wie ein solcher Ansatz in der Praxis aussehen kann, zeigte Andrea Schmidt vom LBG OIS Center am Beispiel des Projekts Ankerpunkte. Ausgangspunkt waren Ideenwerkstätten im Waldviertel, in denen Angehörige, Menschen aus der Region, eine Community Nurse, Demenzexpert:innen und Künstler:innen gemeinsam künstlerisch-kreative Angebote entwickelten.

Seit Sommer werden diese Ideen vor Ort umgesetzt. Gemeinsam mit lokalen Künstler:innen wird in Workshops gezeichnet, getanzt und musiziert. So entstehen gemeinschaftliche Räume für Menschen mit und ohne Demenz, in denen Begegnung, kreativer Ausdruck und soziale Teilhabe im Mittelpunkt stehen.

Die Erfahrungen aus dieser Erprobungsphase sollen über die beteiligten Gemeinden hinaus nutzbar werden. Dafür entsteht im Projekt ein praxisorientiertes Handbuch, das Erfahrungen und erprobte Ansätze bündelt und Gemeinden dabei unterstützen soll, ähnliche Angebote im eigenen Umfeld umzusetzen.

Erinnern und Vergessen erfahrbar machen

Dass Kunst Zugänge zum Thema Demenz schaffen kann, die über das gesprochene Wort hinausgehen, konnten die Besucher:innen an diesem Abend selbst erleben. Künstlerische Arbeiten von Lena Knilli, Pia Scharla und Michaela Schober luden zum Mitmachen, Wahrnehmen und Nachdenken ein.

An roten Fäden wurden etwa persönliche Gedanken über Dinge sichtbar, die Menschen vergessen – aber auch Fragen, die sie einem Menschen gerne noch gestellt hätten und nicht mehr stellen können. Andere Arbeiten setzten sich spielerisch mit Chaos und Ordnung auseinander. Ein weiteres Objekt machte erfahrbar, wie Begegnung und Austausch mit Menschen mit Demenz auch ohne Worte und über Berührung und sensorische Eindrücke entstehen können.

Damit wurde die zentrale Frage des Abends aus unterschiedlichen Richtungen aufgegriffen: Was verändert sich, wenn Menschen mit Demenz nicht nur Gegenstand von Forschung, Projekten oder gesellschaftlichen Debatten sind, sondern ihre Erfahrungen und Perspektiven von Beginn an Teil davon werden?

Der Satz „Ihr sollt nicht über uns sprechen, sondern mit uns“ beschreibt damit nicht nur eine Haltung, sondern auch einen konkreten Anspruch an die Entwicklung neuer Ansätze im Umgang mit Demenz.

Ankerpunkte geht weiter

Die im Projekt entwickelten künstlerisch-kreativen Angebote finden in den kommenden Monaten an verschiedenen Orten im Waldviertel statt. Alle kommenden Termine im Überblick:

Zeichnen und Gestalten mit Anne Glassner | Pfarrhaus Sallingberg

  • 23. September, 14.00–16.00 Uhr
  • 7. Oktober, 10.00–12.00 Uhr
  • 22. Oktober, 10.00–12.00 Uhr
  • 18. November, 14.00–16.00 Uhr

Musik mit Eveline Hieblinger und Josef Richter | Gasthaus Hörndl, Neupölla

  • 15. September, 14.00–16.00 Uhr
  • 6. Oktober, 14.00–16.00 Uhr
  • 20. Oktober, 14.00–16.00 Uhr
  • 3. November, 14.00–16.00 Uhr

Bewegung und Tanz mit Cornelia Voglmayr | Sportrestaurant Hinger, Waldenstein

  • 25. September, 14.30–16.30 Uhr
  • 16. Oktober, 10.00–12.00 Uhr
  • 30. Oktober, 14.30–16.30 Uhr
  • 13. November, 10.00–12.00 Uhr

Wir bedanken uns bei Antonia Croy, Ruth Mateus-Berr, Andrea Schmidt, Lena Knilli, Pia Scharla und Michaela Schober, unseren Kolleg:innen vom LBI für Grund- und Menschenrechte und der Universität für angewandte Kunst Wien sowie bei allen Beteiligten und Besucher:innen für den gemeinsamen Abend.