open arts

Partizipative Praktiken zwischen Kunst, Wissenschaft und Forschung

 

Eine Weiterbildungsreihe der Ludwig Boltzmann Gesellschaft und der Akademie der Bildenden Künste wien

Welche offenen Forschungsmethoden können in Kunst und Wissenschaft eingesetzt werden? Was heißt es, offen zu arbeiten? Wie kann die Gesellschaft verantwortungsvoll in Projekte involviert werden? Wir erarbeiten in diesem Weiterbildungsprogramm Methoden der Teilhabe und der Zusammenarbeit für offene Forschungsprozesse zwischen Kunst und Wissenschaft. Der inhaltliche Fokus liegt auf transdisziplinärer Wissensproduktion und Methoden zur Einbindung von Gesellschaft: Insbesondere lernen die Teilnehmer_innen, wie man andere Disziplinen und relevante gesellschaftliche Gruppen in die eigenen Projekte miteinbeziehen kann.  Anwendungsorientiert werden künstlerisch-kreative Partizipationsformen mit Methoden aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen in Dialog gebracht und gemeinsam umgesetzt.

Zielgruppe für die Workshops sind Studierende sowie Absolvent_innen und Jungforscher_innen von Universitäten und Fachhochschulen, die entweder bereits mit offenen Forschungsmethoden arbeiten oder diese erwerben wollen. Zudem sind für 2021 Vorträge geplant, die sich an eine breite Öffentlichkeit richten.

Programm 

In drei ganztägigen Workshops werden künstlerische und kreative Methoden, Formate und Werkzeuge der Teilhabe, Partizipationsmodelle und Formen der Einbindung von Gesellschaft erarbeitet. Gemeinsam mit erfahrenen Expert_innen werden konkrete Ansätze und Projekte in fokussierter Lern- und Entwurfsatmosphäre entwickelt und umgesetzt. 


AKTUELL

Workshop 3: Entwurf und Reflexion – Modelle und Werkzeuge künstlerischer Intervention

Datum: 13. Oktober 2021

Uhrzeit: 10:00 – 17:00 Uhr

Ort: Villa Schapira, Max Emanuel-Straße 17, 1180 Wien

Vortragssprache: Deutsch

Workshop program

Vormittag mit Ille C. Gebeshuber

Den bunten und vielfach miteinander verwobenen Lösungen der belebten Natur stehen die pragmatisch technischen Monolithen der menschlichen Technik gegenüber. Besonders Beton, Kohle und Stahl zogen hier einst eine Grenze. In Form einer Diktatur des rechten Winkels wurden sie zum Inbegriff der grau strukturierten Antworten auf die vielen Bedürfnisse unserer Gesellschaft. So stark war ihre Dominanz, dass auch das Denken der Menschen davon beeinflusst wurde. Die Ordnung der Geometrie sowie die Geometrie der Ordnung prägten das 20. Jahrhundert. Erst in den letzten Jahrzehnten erblühten neue Lösungsansätze und die Natur wurde nicht nur als Kunstwerk oder Schöpfung betrachtet, sondern auch als ein unerschöpflicher Ideengeber für die menschliche Entwicklung erkannt. Bei näherer Betrachtung des Lebens erscheint bald alles als ein Wunder und kreative Lösungen finden sich auf allen Ebenen. Die Natur ist sparsam, aber hocheffektiv; sie ist einfach, aber gerade deshalb genial. Im Rahmen des Workshops präsentiert Ille C. Gebeshuber den Bereich der BIONIK, in dem die BIOlogie der TechNIK Pate für viele Erfindungen steht. Von besonderem Interesse sind dabei die Strukturfarben, die Farben auf eine ganz andere Art entstehen lassen als die Farben, die wir aus dem Alltag kennen. Im wahrsten Sinne des Wortes stehen hier Entwurf und Reflexion in einem direkten physikalischen Zusammenhang, denn hier reflektiert eine genau definierte Oberflächenstruktur nur bestimmte Teile des auftreffenden Lichtspektrums – Farben entstehen ganz ohne Pigmente. Im Sinne der Partizipation und kollektiven Intervention erforschen die Teilnehmer*innen dieses Phänomen in einem Hands-on Teil; sie können dabei ein Strukturmuster auf Schokolade übertragen und so die Schönheit der Schillerfarben direkt sehen und in gewisser Weise auch schmecken.

Nachmittag mit Michael & Michael

In forschungsbasierten Kunstprojekten untersuchen Michael Hieslmair und Michael Zinganel Knotenpunkte in Logistik-Landschaften und an transnationalen Straßenverkehrskorridoren als Orte alltäglicher Begegnungen und Geschichten von sozialen Akteuren, die – weitgehend unbedankt – zur Erhaltung unseres hohen Lebensstandards beitragen. In diesem Workshop diskutieren wir Probleme des transdisziplinären und soziale Milieus übergreifenden Arbeitens. Dazu stellen wir die von uns entwickelten Methoden einer mobilen immersiven Forschung vor, insbesondere die Kapazität von Karten/Maps zur Darstellung von Mobilitätserfahrungen im Raum, aber auch die Praxis des Live-Mapping (als Verb) als relationales Werkzeug zur Stimulierung der Interaktion zwischen verschiedenen mobilen Akteur*innen (Zinganel & Hieslmair, 2016, 2017, 2019). Die Zwischen-Ergebnisse der Forschung werden in unseren Projekten durch künstlerische Interventionen vor Ort an diese Knotenpunkte im Forschungsfeld zurückgespielt, denn an Busbahnhöfen, Autobahnraststätten oder Verteilerzentren werden die etablierten Begriffe von Öffentlichkeit und öffentlichem Raum in Frage gestellt: hier werden ständig Gemeinschaften temporär neu gebildet und wieder aufgelöst. In diesen miteinander vernetzten Archipelen zeigen sich alternative Modelle eines (Post-)Urbanismus, der – angetrieben von poly-rhythmischen Verdichtungen des Kommens und Gehens – zunehmend auch unseren Alltag prägt.

WORKSHOP-LEITER:INNEN

Associate Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Ille Gebeshuber ist Physikerin. Ihre Hauptarbeitsgebiete sind Nanotechnologie, (Nano-)Tribologie und Biomimetik, seit November 2008 ist sie an der TU Wien für Experimentalphysik habilitiert. Von 2009 bis 2015 hielt sie eine volle Professur an der nationalen Universität von Malaysien (UKM), seit 2016 ist sie wieder in Wien, an ihrem Institut an der TU Wien. Sie beschäftigt sich damit, wie eine neue Art des Denkens und eine andere Herangehensweise an die Dinge dazu beitragen kann, die globalen Probleme der Menschheit erfolgreich zu adressieren. Ihre aktuellen Arbeiten beleuchten dabei unter anderem Strukturfarben in der Biologie, und wie man diese umweltfreundlichen, nicht ausbleichbaren und funktionalisierbaren Mikro- und Nanostrukturen effizient herstellen und in der Technik verwenden kann – für eine nachhaltige Zukunft. 

http://www.ille.com

Tracing Spaces, 2012 von Michael Hieslmair und Michael Zinganel gegründet, konzipiert, gestaltet und produziert Forschungsprojekte und künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum, sowie Ausstellungen, Publikationen und Vermittlungsformate zu Themen der Architektur, Stadtforschung, Mobilität(en). Seit 2015 betreibt Tracing Spaces unter dem Titel Museum Nordwestbahnhof einen Projektraum am Wiener Nordwestbahnhof, wo eingebettet das soziale Milieu der Logistiklandschaft sukzessive eine mehrschichtige multimediale Kartografie der Geschichte des Ortes und der Migrations- und Mobilitäts-Erfahrungen von hier tätigen Akteuren erstellt wird.

https://tracingspaces.net/

https://www.facebook.com/tracingspaces

EINREICH-DEADLINE: 10. Oktober 2021, 23.50 Uhr 

Jury-Sitzung: 11. Oktober 2021 

Die mittels Jury ausgewählten max. 12 Personen bzw. Projekte werden im Anschluss an die Jury-Sitzung umgehend per eMail informiert.    

 

>>> Hier zum bewerbungsformular <<<

 

TEILNAHMEVORAUSSETZUNGEN Bewerben können sich Studierende sowie Absolvent_innen und Jungforscher_innen von Universitäten und Fachhochschulen, die entweder bereits mit offenen Forschungsmethoden arbeiten und ihre Methodenkenntnisse vertiefen oder diese erwerben wollen. Ein Hintergrund aus Themenbereichen wie Open Science, Open Design, Open Access, Open Knowledge ist von Vorteil. 

CORONA-HINWEIS Ein gültiger negativer PCR-Test ist – auch bei aufrechter mehrmaliger Impfung – beim Check-in vorzuweisen. Es gilt die FFP2-Maskenpflicht. 

vergangene Workshops

Workshop 2: KUNST FORSCHUNG GESELLSCHAFT

Datum: 17. Juni 2021

Uhrzeit: 10:00 – 17:00 Uhr

Ort: Villa Schapira, Max-Emanuel-Straße 17, 1180 Wien

Vortragssprache: Deutsch

Ästhetiken spielen in der Vermittlung und dem Transfer von Information und Wissen eine tragende Rolle. Gerade beim Erreichen von neuen Zielgruppen und der Inklusion von Gesellschaftsschichten "außerhalb der eigenen Bubble" ist es wichtig, diese Aspekte zielführend im Zusammenhang mit Open Innovation präziser zu erkennen und in Folge aktiv gestalten zu können.

Im Workshop von Eveline Wandl-Vogt setzen wir uns mit Art Driven Innovation und Artistic Activism auseinander bzw. wenden diese prototypisch an, um mit Hilfe von emergierenden Technologien beizutragen, die Sustainable Development Goals umzusetzen.

Der Workshop von eSeL (Lorenz Seidler) bietet Anregungen dazu, die eigene Praxis und die persönlichen Interessen als Künstler:in, Wissenschafter:in (bzw. in Ausübung individueller Formen von Artistic Research) in Wechselwirkung zu Möglichkeiten, aber auch formalen Herangehensweisen gesellschaftlicher Wirkung zu reflektieren, und im Hinblick auf Methodik und mögliche Schnittstellenarbeit zu spezifischen Communities bis hin zur Arbeit in digitalen Öffentlichkeiten und Massenmedien zu präzisieren.

Wir werden partizipativ mit Methodenentwicklung, -adaption und -übertragung experimentieren sowie unsere eigenen Stärken und Unsicherheiten im Kontext von ästhetischer Vorstellung, (künstlerischer/wissenschaftlicher) und Offenheit zu reflektieren und zu nutzen.

WORKSHOP-LEITER:INNEN

eSeL *1974 als Lorenz Seidler lebt und arbeitet in Wien und im Internet. Studium der Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität Wien. Er arbeitet als Künstler, Kurator, Fotograf, Performer und Kommunikator. 1999 gründete er die Kunst-Plattform eSeL.at. Seit 2011 betreibt er die eSeL REZEPTION im MuseumsQuartier Wien. Kurator von Ausstellungen sowie vertreten in Gruppen-Soloausstellungen und, Performative Kommunikation sowie Projekte im öffentlichen Raum

Eveline Wandl-Vogt (*1969/ Ischgl) ist auf der Suche und neugierig. Sie ist Gründerin und Senior Direktorin des Ars Electronica Research Instituts knowledge for humanity (k4h+) sowie Gründerin und Orchestratorin des Exploration Space an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Eveline verfolgt einen challenge-basierten Ansatz, um Szenarien für eine inklusive, nachhaltige Zukunft zu entwickeln. Vor einem Responsible Research Mission Statement, tragen Evelines Arbeiten zur Erfüllung der Sustainable Development Goals bei. Sie agiert als Forschungsmanagerin und Initiatorin in verschiedenen internationalen Gremien und ist Netzwerk-Moderatorin, die sich leidenschaftlich für die Schaffung sektor-, organisations- sowie unternehmensübergreifender, zielführender Innovationsnetzwerke engagiert.

Workshop 1: Methoden und Strategien der Narration 

Datum: 10.11.2020 
Uhrzeit: 10:00 – 17:00 Uhr 
Ort: Villa Schapira, Max-Emanuel-Straße 17, 1180 Wien

Im ersten Teil der Weiterbildungsreihe geht es um Methoden und Strategien der Narration. Der Workshop beschäftigt sich mit der Frage: Wie erzählen wir? Die Erzählung ist die zentrale Vermittlungsinstanz zwischen Kunst, Wissenschaft und der Gesellschaft. Wie erzählt wird, ist entscheidend für Zusammenarbeit, Beteiligung  und Wirkung von Wissen. In diesem Workshop werden unterschiedliche Methoden des Storytelling erarbeitet. Die Teilnehmer_innen erproben, analysieren und erarbeiten Narrative in verschiedenen Medien (Schrift, Bild, Ton) und Konstellationen (performativ, dramaturgisch, rhetorisch).

WORKSHOP-LEITER:INNEN

Ines Häufler
Ines Häufler, geboren in Salzburg, lebt und arbeitet in Wien. Studium der Kommunikationswissenschaft und Germanistik. Filmdramaturgin für Fernseh- und Kinofilme, Autorin. Seit 2013 Workshops und Entwicklung von Storytellingprojekten für Firmen wie Runtastic, für Museen (u.a. Wienmuseum, Kunsthistorisches Museum Wien), NGOs und Kulturinitiativen.

Ruth Mateus-Berr
Als Social Designerin beschäftigt sich Ruth Mateus-Berr in ihrer konzeptuellen Kunst mit zeitgenössischen globalen Herausforderungen wie ökologischen, sozialen und politischen Themen. Zuletzt engagierte sie sich in folgenden Bereichen: Umwelt, Demenz, Altersdiskriminierung, Gesundheit, urbaner Wandel, Demokratie, Rassismus, Rechts-Populismus, Migration, postkoloniale Kritik und innovative Strategien für differenzierte Perspektiven und interdisziplinäre Zusammenarbeit.  

Kontakt 

Du hast Fragen zu OPEN ARTS? Dann melde dich direkt bei: 

labs (at) lbg.ac.at
Tel +43 (0) 1 513 27 50-69

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