June 28, 2019

Chatte mit mir über das Leben mit Prostatakrebs – Ludwig der Bot

Zu Gast in der ersten deutschsprachigen Folge von “Research, Patients and the Public”: Prof. Markus Mitterhauser. Er leitet das Ludwig Boltzmann Institut Applied Diagnostics und engagiert sich darüber hinaus in einem Projekt für die Einbindung von Prostatakrebs-Patienten in die Forschung.



Ruth Hutsteiner
Ruth Hutsteiner

Heute zu Gast: Prof. Markus Mitterhauser

Durch die erste deutschsprachige Folge von “Research, Patients and the Public” führt Sie Radiojournalistin Ruth Hutsteiner. Mit ihr am Tisch sitzt Markus Mitterhauser: Er leitet das Ludwig Boltzmann Institut Applied Diagnostics und engagiert sich darüber hinaus in einem Projekt für die Einbindung von Prostatakrebs-Patienten in die Forschung.

Prof. Markus Mitterhauser

Krebsdiagnostik verbessern – “Wir wollen nicht würfeln”

Markus Mitterhausers Mission ist ein neues Konzept für die Diagnostik bei Prostata-Krebs: Das Wissen darum, wo genau im Körper – und innerhalb des Tumors – sich Zellen wie verändert haben, ist essentiell für die individuelle Therapie. Der Nuklearmediziner und sein Team arbeiten dafür an einer Kombinationsmethode, die zwei Eigenschaften von Tumorzellen erkennen kann: Zum einen veränderte Eiweiße, die an schwach radioaktive Moleküle binden und dadurch ein Signal für die Bildgebung aussenden. Zum anderen Veränderungen in der Organisation des Erbguts von Tumorzellen. Das Schöne daran: Letztere können in Blutproben nachgewiesen werden – und könnten die unangenehme Prostatabiopsie ablösen.

Nach der Therapie: Welche Bedürfnisse haben die Patienten

Welche Herausforderungen müssen die Patienten auch nach der Therapie noch in ihrem Alltag meistern? Das herauszufinden, ist dem Institutsleiter ein besonderes Anliegen. Er möchte ihre Bedürfnisse in der Forschung adressieren und ist sich gleichermaßen sicher: Es gibt „da draußen“ bereits kreative Lösungen, von denen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Prostatakrebs-Forschung noch nichts wissen können.

Aber wie an diesen Wissensschatz herankommen? Bei Themen wie Angst, Inkontinenz oder Impotenz, kann das darüber Sprechen schwerfallen – was wir als Außenstehende erfahren, ist anekdotisches, sagt Markus Mitterhauser. Er möchte die Post-Therapie-Herausforderungen systematisch zum Forschungsthema machen.

Ein Chatbot namens “Ludwig”

Kann ein Chatbot der Zugang zu diesem ExpertInnen-Wissen sein? Möglicherweise! Laut Markus Mitterhauser kann diese Technologie etwas bieten, das für Forschung unabdingbar ist: Eine systematische Herangehensweise für die Einbindung der Prostatakrebspatienten. „An ihnen vorbei forschen“ ist jedenfalls keine Option für ihn. Er und seine Kolleginnen und Kollegen möchten die so gesammelten Erkenntnisse für alle verfügbar machen. Noch dazu geht es ihm darum, mit Interessierten zu teilen, wie „cool“ der Prozess des Wissen Generierens sein kann.

Was bisher geschah

Bei dem Format „Lab for Open Innovation in Science“ haben der Nuklearmediziner und die anderen Teilnehmenden das „Handwerkszeug” für Open Innovation in Science erlernt. Beim Übersetzen in Projektideen schaffte es „Patio – Patients in Oncology“ unter die „coolsten Projekte“, wie Markus Mitterhauser es formuliert. Das bedeutete Unterstützung in Form von Coaching und Ressourcen, um die Idee umsetzen zu können. Relativ rasch stellte sich den Forschenden die Frage: Wie an die Patienten herankommen?  – vor allem, wenn ein so sensibler Bereich des Körpers betroffen ist. An einem einzigen Tag schufen sie beim „Botathon“ gemeinsam mit Menschen unterschiedlichster Disziplinen einen ersten Prototypen.

Kommt die Idee an?

Welches Medium aber möchte die Zielgruppe – Herren mit Prostatakrebs und ihre Angehörigen – überhaupt nutzen? Das Projektteam entschied sich für einen zweistufigen Prozess, in dem eine vorgeschaltete Testphase diese grundsätzliche Frage beantworten soll. Die Vision bleibt der Chatbot – aber gleichermaßen bleiben die Forschenden flexibel. Eins ist für Markus Mitterhauser aber klar: „Wir werden das machen!“

Wer sind die “Betroffenen”?

Wenn der Wissenschaftler im Zusammenhang mit Prostatakrebs von “Betroffenen” spricht, dann meint er nicht nur den Patienten selbst. Eine Partnerin oder ein Partner erlebt beispielsweise auch, wie der Erkrankte mit den Situationen umgeht. Um in der Forschung nicht an ihnen vorbei zu arbeiten, ist es für den Wissenschaftler wichtig, die Betroffenen auf Augenhöhe einzubinden. „Forschung sollte für alle offen sein, die sich berufen fühlen“, sagt er.

Outro

Ende des Jahres, so hofft der Krebsforscher, könnte es dann soweit sein: Das Medium, um mit den Patienten und Angehörigen in Kontakt zu treten, ist bereit! Auch zu dieser Folge laden wir Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, dazu ein, das Format gemeinsam mit uns zu gestalten: Nutzen Sie gerne die Kommentarfunktion unten.

Gast: Markus Mitterhauser │ Moderation: Ruth Hutsteiner │ Konzept und Produktion: Marie Niederleithinger │ Projektleitung: Lucia Malfent, Raphaela Kaisler │ Musik: Kurt Stolle

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